Historie
Walter Röhrl

  • Vater Michael fuhr einen Fiat 1400. Mit diesem Auto sammelte Walter Röhrl seine ersten Erfahrungen. Mit knapp 8 Jahren durfte er das Auto zur naheliegenden Tankstelle steuern und kurbelte stolz am Lenkrad. Halb legal ist er wenig später mit dem Fiat über verschneite Forstwege gekurvt.
  • Chauffeur bei der Oberfinanzdirektion des Bischofs in Regensburg: Der "Bischofsfahrer" fuhr im Jahr 120.000 km mit dem Ford Taunus und später Mercedes auf einer perfekten Linie, mit dem Traum einen Porsche zu fahren. Schnell stellte Röhrl fest, dass sich sein Fondpassagier bei forscher Fahrt mit zwei Händen festhielt und somit nicht mehr rauchen konnte. Dr. Heinrich Zenglein wunderte sich auch, dass Röhrl oft die Lichthupe bekam. Doch nicht, wie er dachte, weil Röhrl in Bayern jeden kannte, sondern wegen seiner Fahrweise.
  • Der Porsche 356 C war Röhrls erstes selbst gekauftes Auto, erst ein Cabrio, dann ein SC Coupé mit 95 PS. Vier Jahre legte er jeden Pfennig vom "Bischof" beiseite.
  • Am Steuer eines Fiat 850 Coupé seines Freundes und Beifahrers Herbert Marecek sah er aus wie das fahrende Fragezeichen. Bei 1,96 Metern Körpergröße hatte er nicht viel Kopffreiheit. Doch bergab ging es trotz nur 47 PS und Serienreifen so schnell, dass Walter bei seiner ersten Rallye unter die ersten zehn fuhr!
  • Ging Röhrl dann schon mit einem BMW 2002 ti zur Bavaria. Den zweiten Platz verhinderte ein Anfängerfehler, nämlich eine verpasste Durchfahrtskontrolle, die Offiziellen winkten hektisch, Röhrl und Beifahrer winkten freundlich zurück, holten aber nicht den notwendigen Stempel!
  • Den ersten Porsche-Einsatz bestritt Walter Röhrl 1970 auf einem Porsche 911. Sein Beifahrer Herbert Marecek fand immer ein passendes Auto. Zur Bavaria machte er den Superdeal. Er besorgte über Jürgen Barth einen alten Safari-911er mit 120.000 Kilometern, den Zasada in Afrika gefahren hatte. Herbert hatte für das Auto 15.000 DM aufgetrieben.
  • Das Vertragsangebot von Ford: Service und Übernachtungen kostenlos plus 250 DM Jahresgage war für ihn wie ein Sechser im Lotto. Bei der Olympia-Rallye schrieb Röhrl auf dem Ford Capri erstmals Rallyegeschichte. Nach der ersten SP hieß es: Die 23 ist schnellster? Das muss ein Zeitfehler sein!
  • Walter Röhrl startete seine Karriere als Profi, heuerte bei Opel an und bekam eine Gage von monatlich 800 DM. Sein Einsatzgerät war ein seriennaher Opel Commodore. Bei der „Monte“ ging Walter Röhrl das erste Mal an den Start. Mit der "Kommode" fuhr er ans Limit – und darüber hinaus.
  • Walter Röhrl und Jochen Berger siegten auf dem Ascona 1974 bei sechs der acht EM-Läufe und wurden mit Maximalpunktzahl Europameister. Das war der höchste Fahrertitel, den es damals im Rallyesport zu gewinnen gab.
  • Der einsame Höhepunkt war Griechenland 1975, sein erster WM-Sieg gegen die Lancia. Röhrl fuhr mit dem Ascona auf Asphalt so schnell wie Waldegaard auf dem Stratos. Mit einem nahezu serienmäßigen Manta A GT/E gingen im Jahr 1975 die beiden Rallye-Profis Rauno Aaltonen und Walter Röhrl beim 24-Stunden-Rennen von Spa an den Start, fielen aber mit Motorschaden aus.
  • Ab dem dritten Saisonrennen der Deutschen Rennsportmeisterschaft 1976 in Hockenheim tauchten zwei gelb/schwarze Opel Kadett GT/E des Tuners Irmscher auf, als Fahrer Manfred Trint und der kommende Rallyekönig Walter Röhrl. Bei der Rallye Monte Carlo 1976 gab Röhrl mit dem Kadett eine Traumvorstellung; er versuchte alles gegen die Lancia. Doch es reichte nur zum 4. Platz hinter den Stratos von Munari, Waldegaard und Darniche. Alle sagten, er wäre der heimliche Sieger. Im Jahr 1976 startete Röhrl das erste Mal in Afrika. Er hasste die Rallye, bevor er den ersten Meter dort gefahren war - Schlamm, Schlaglöcher, Krankheiten! Der 2002 von Schnitzer war sauschnell, aber nicht zuverlässig. Jochen Neerpasch wollte Röhrl ins BMW-Junior-Team holen. „Danke! Auf der Rundstrecke ist zu viel Rummel. Ich will lieber allein in der Nacht durch den Wald fahren“.
  • Das Jahr 1977 brachte Walter Röhrl auf den Tiefpunkt seiner Karriere. Mit dem Opel Kadett gab es bei fünf WM-Starts fünf Ausfälle. Sein alter Spezi Herbert Marecek versuchte Röhrl weiter zu motivieren und baute mit dem Autohändler Alois Weinzierl in monatelanger Arbeit einen 911er auf. Bei Lancia ging es um den EM-Titel und das Team war besorgt, dass Röhrl mit dem Posche ihrer Primadonna Munari "was antut" und Verini den Titel vermasselt. So machte der Fiat-Teamchef Daniele Audetto vor dem Start das Angebot, dass er einen Werksfiat fahren dürfe und den Porsche schonen könne. So startete er seine Karriere bei Fiat.
  • Ab der Rallyesaison 1978 saß an seiner Seite Christian Geistdörfer, sie kannten sich vom Skifahren. Ebenfalls in die Saison 1978 fällt der bekannte Unfall bei der Rallye San Remo: Hier starteten Röhrl auf dem Miafiori und Alén auf dem Stratos. In Führung liegend kam Röhrl von der Fahrbahn ab, stürzte einen Abhang hinunter, landete zuerst auf dem Dach eines Bauernhauses und schließlich auf dem davor liegenden Hof. Röhrl und Geistdörfer blieben unverletzt.
  • Beim Etappenrennen Giro d'Italia Automobilistico 1979 fuhr Röhrl den Montecarlo Turbo. Es war ein Autorennen durch Italien, teils auf Rennstecken, teils auf Rallyesonderprüfungen. Jedes Team bestand aus drei Personen, einem Rundstreckenspezialisten, einem Rallyefahrer und einem Navigator. So starteten auf dem Gruppe 5-RennerVilleneuve, Röhrl und Geistdörfer in den Farben von Alitalia. Bei der Ankunft in Turin lagen zwei Beta Montecarlo an der Spitze der Gesamtwertung. Doch beim Transfer benutzten die beiden die Autobahn und wurden deswegen disqualifiziert.
  • Walter Röhrl gewann seine erste "Monte" und wurde Weltmeister. "Ich habe nie davon geträumt, Weltmeister zu werden. Ein Sieg bei der Rallye Monte Carlo - das war mein Lebensziel“. Bei Fiat war Streik, nichts ging rein, nichts ging raus. Giorgio Pianta "entführte" in einer Nacht- und Nebelaktion mit anschließender Verfolgungsjagd durch Turin einen weißen 131, einen Versuchswagen für Korsika, superleicht mit Alufahrwerk. Der Einsatz-Motor wurde eine Nacht später in gleicher Weise "geklaut". Zudem verwechselte der Teamarzt die Vitamin-A-Tabletten mit Kreislauftabletten von Markku Alen, die bei Röhrl zu Herzrasen und Schlaflosigkeit führten. Trotz aller Widrigkeiten gelang Röhrl der Sieg bei der Sanremo 1980 und er wurde Weltmeister.
  • Für die Saison 1981 verpflichtete Daimler-Benz den frischgebackenen deutschen Rallyeweltmeister Walter Röhrl. Ein genialer Schachzug. Bei Testfahrten mit dem 500 SL stellte der Mercedes Entwicklungsleiter die Frage wie hoch die Chance sei, mit dem Auto die Rallye WM zu gewinnen. „Null!“ antwortete Röhrl ehrlich. Da zog sich Daimler aus dem Rallye-Sport zurück und Herr Röhrl war arbeitslos. Als Mercedes aus dem Rallyesport ausstieg, wäre Walter Röhrl mit einem frisch abgeschlossenen Fünfjahresvertrag nur noch Zuschauer im Rallyesport gewesen. "Ein bisserl Autofahren wollt ich schon noch", so wurde der Vertrag gelöst und er war wieder frei. Die Tatsache, dass Deutschlands erster Automobilweltmeister Walter Röhrl nun „praktisch auf der Straße stand“, war der Ausgangspunkt für die Gründung des Monnet-Porsche-Teams. Er bekam das Angebot einen Porsche zu fahren, aber zahlen wollten sie nichts.
  • Rutschiges Geläuf ist sein Element. Den nahezu unberechenbaren 935 Turbo trug er beim WM-Lauf in Silverstone sicher ins Ziel. Schornstein/Röhrl/Grohs siegten! Wie ein Uhrwerk spulte die auf 410 PS getrimmte Rennversion des 944 GTP unter Walter Röhrl / Jürgen Barth die 24-Stunden-Distanz in Le Mans herunter. Im Anschluss des Rennes fuhr er dann noch nonstop nach Hause. Bei einem Markenpokalrennen fuhr Walter Röhrl als Gaststarter auf dem R5 Turbo. Röhrl hatte nach dem geplatzten Deal mit Mercedes 1981 den Lancer Turbo getestet. Er fühlte sich im dem Auto aber nicht wohl und so war es ein einmaliger Versuch. Und ein deutscher Fahrer in einem japanischen Auto fand er wohl auch nicht passend.
  • Röhrl saß 1982 bei der Monte auf trockenen Straßen mit dem Opel Ascona im richtigen Auto und konnte die Angriffe der allradgetriebenen Audis problemlos parieren -zweiter Sieg! Mikkola/Hertz auf Audi Quattro benötigten beinahe fünf Minuten länger. Michèle Mouton knallte den Audi auf der SP Pont des Miolans nach St. Auban fürchterlich gegen eine Mauer. Walter Röhrl und Beifahrer Christian Geistdörfer setzen sich mit einem Sieg bei der Bandama Rallye an der Elfenbeinküste zum zweiten Mal nach 1980 die WM-Krone auf. In einem packenden Duell gegen Michèle Mouton setzte sich Röhrl kurz vor dem Ziel der 4000 km langen Material- und Hitzeschlacht endgültig durch, als am Quattro der lange führenden Französin die Technik streikte und sie durch zwei "Ausrutscher", der deswegen erforderlichen Reparatur und Überschreitung der Zeittoleranz disqualifiziert wurde. Sie lag vorher noch auf dem 2. Platz, der zum Titelgewinn gereicht hätte. Werner Grissmann, der Skirennläufer: "Walter, wer will hier schneller fahren als du?" Röhrl antwortete: „Nimm einen Audi, setz' einen dressierten Affen rein, der fährt hier um Welten schneller als ich“.
  • Der Sieg der "Monte 1983" ging auf das Konto von Walter Röhrl/Christian Geistdörfer. Die beiden verdankten dies dem Lancia 037 und dem schönen Wetter. Lancias Manager Daniele Audetto ließ sogar im Stile der Formel 1 die Räder während einer Spezialprüfung wechseln. Im Schnee hingegen wären die Quattros kaum zu schlagen gewesen. Dies war Röhrls dritter Streich! Das Team hatte bei der Deutschland-Rallye 1983 einen Riesenspaß und sorgte mit fast 9 Minuten Vorsprung dafür, dass der Gesamtsieger-Pokal in der Heimat blieb.
  • sagte Audi-Chef Ferdinand Piëch: "Der Röhrl kommt ins Haus. Es ist billiger, mit ihm als gegen ihn zu fahren!" Der vierte Monte-Sieg!
  • Audis "Vorsprung durch Technik" war angesichts der "Rennwagen" von Peugeot und Lancia abgebröckelt. Der Sport Quattro geriet zu einem Flop. Im Vergleich zu den Mittelmotorautos sah der Audi Sport Quattro S1 eher wie eine unhandliche Maschine aus, aber er war der stärkste der Gruppe-B-Boliden. Der S1 war ein Ungetüm. Walter Röhrl und Christian Geistdörfer vollbrachten das Kunststück, in San Remo endlich den verdienten Sieg mit dem Audi Sport Quattro S1 zu erringen. Erstmals seit 1973 konnte Österreich bei der Semperit-Rallye 1985 den Hauch der großen, weiten Rallye-Welt spüren. Niemand geringerer als der berühmte Walter Röhrl war nämlich als Testeinsatz für die RAC Rallye im Waldviertel zu Gast, wo die Fans in den Wäldern hockten und andächtig dem animalischen Gebrüll des Röhrl-Audis lauschten. Röhrl gewann alle 20 SPs und die Rallye mit erdbebenartigen 18:37 min. Vorsprung.
  • Bei der Testfahrt mit dem Mittelmotor-Prototypen von Audi in Niederbayern landete Röhrl in einer Polizeikontrolle. Der Polizist war ein Fan von Walter und wollte ein Foto. Nachdem ihm klargemacht wurde, dass das Auto niemand sehen darf, war er mit einem Autogramm zufrieden, stellte aber die Bedingung, dass Röhrl es beim Wegfahren ordentlich brennen lässt. Der ließ sich nicht lumpen und fräste mit einem Blitzstart Furchen in den Asphalt. Die beiden von Audi Sport hergestellten Prototypen wurden durch das Ende der Gruppe B/S nicht getestet. Einer wurde verschrottet, der andere ist heute im Besitz der Audi Tradition.
  • Walter Röhrl gewann 1987 am Pikes Peak beim „Race To The Clouds“ mit dem Quattro S1. Er bezwang den Berg in einer Zeit von 10 Minuten und 47,85 Sekunden und stellte einen neuen Streckenrekord auf. Audi hatte sich entschieden, nach dem neuen Reglement der Gruppe A die Top-Limousine 200 Turbo quattro einzusetzen. Da war es ein Bravourstück von Röhrl bei der Rallye Monte Carlo das motorisch unterlegene und zu schwere Auto auf den 3. Platz zu wuchten. Audi konzentriert sich dann auf die Safari-Rallye. Hannu Mikkola hetzte die Audi-Direktionslimousine zum Sieg. Walter Röhrl drosch den zweiten 200er auf Platz zwei. Was der Ur-quattro nicht schaffte, war jetzt den großen Kübeln gelungen.
  • Beim TransAm-Rennen in Niagara Falls 1988 überrundete Walter Röhrl mit dem 200er Quattro das komplette Feld und gewann souverän.
  • Mehr aus Spaß fragten man Walter Röhrl, ob er nicht auch beim 24h Rennen auf dem Nürburgring 1989 auf einem nahezu serienmäßigen 944 Turbo dabei sein wollte und der sagte spontan zu. Selbst, als später noch lukrative Anfragen eines Werksteams kamen, blieb Röhrl bei seiner einmal gemachten Zusage – Ergebnis war ein siebter Platz der Gesamtwertung und der Klassensieg.
  • Ab dem achten Rennwochenende der DTM 1990 am Norisring bekam Stuck Unterstützung vom zweifachen Rallyeweltmeister Walter Röhrl, der für den Rest der Saison den zweiten V8 quattro DTM pilotierte. Bereits in seinem ersten Rennen führte Röhrl bis zur letzten Runde und ließ Stuck dann zugunsten der Meisterschaft passieren.
  • Aufgrund der sintflutartigen Regenschauer beim 24 h Rennen 1992 beschließt die Rennleitung den Abbruch des Rennens. Während der Regenphase zuvor nahm Walter mit dem seriennahen Porsche 911 (964) Carrera RS den Werks - BMW M3 pro Runde gut eine Minute ab und legte eine Vorstellung hin, die so selten zu finden war.
  • Walter Röhrl über den 911 Turbo S Le Mans GT : "Du musst in dem Hammer wissen, was du tust, sonst kommst du nicht weit." Bei der Probefahrt 1993 mit einem F40 hatte Walter Röhrl einen bösen unverschuldeten Unfall zwischen Irlbach und Wenzenbach. Der italienische Sportwagen überschlug sich mehrmals. Röhrl und sein 41 Jahre alter Freund, der Besitzer des Autos, konnten sich gerade noch befreien, bevor der Wagen in Flammen aufging. Walter Röhrls Verbindung zu Porsche ist ebenso lang wie intensiv. Bereits 1970 setzte "der Lange" erstmals einen schnellen Schwaben bei einer Rallye ein und griff in den Siebzigern immer wieder auf Rallyeautos aus Weissach zurück. Schon während der aktiven Karriere ließ er sein Wissen und Können in die Entwicklung des 959 einfließen, bevor er 1993 offiziell Porsche-Repräsentant und Entwicklungsfahrer wurde.
  • Im Innenhof des berühmten Pariser Louvre, hatte anlässlich des Pariser Salons 2000 die fahrbereite Studie des Carrera GT Weltpremiere, morgens um sechs Uhr. Walter Röhrl hat das Fahrzeug im Regen zur Messe gefahren. Testfahrten auf der Nordschleife des Nürburgrings trugen wesentlich zur Entwicklung des Carrera GT bei. Maßgeblich verantwortlich dafür war der frühere Rallye-Weltmeister, der die Fahrwerksabstimmungsfahrten mit dem Carrera GT durchführte. Röhrls Aufgabe jedenfalls war es, aus einem Rennwagen einen Sportwagen zu machen. Auch bei der Entwicklung des 918 RSR hybrid war er maßgeblich beteiligt.
  • Der Porsche RSR wurde von Walter Röhrl persönlich mit 911 Unterschriften versehen. Mit dem Auto startet Walter Röhrl bei historischen Veranstaltungen.